Sie befinden sich hier

Inhalt

Stadtgeschichte von gestern bis heute

Neukirchen-Vluyn liegt am linken Niederrhein und gehört zum Kreis Wesel. Auf einer Fläche von 43,5 km2 bietet die Stadt rund 28.500 Einwohnern eine attraktive Heimat mit vielfältigen Freizeiteinrichtungen. Durch ihre Lage und die gute Anbindung an die Autobahnen A40 und A57 bildet sie die Verbindung zwischen Niederrhein und der pulsierenden Region Rhein/Ruhr sowie zu den benachbarten Niederlanden und dem Münsterland.

Neukirchen-Vluyn: Postkarte aus den 1960er Jahren
Neukirchen-Vluyn: Postkarte aus den 1960er Jahren

Aber Neukirchen-Vluyn war nicht immer eins. Das heutige Stadtgebiet setzt sich aus den Stadtteilen Neukirchen und Vluyn nebst den Ortschaften Niep, Rayen, Dong, Hochkamer und Luit zusammen. Erstmals urkundliche Erwähnung findet das heutige Stadtgebiet in Urkunden aus dem Jahr 900 des Klosters Werden bei Essen. Es wird als "In Fliunnia", eine Landschaft westlich von Moers beschrieben und ist Teil eines Gebietes, das durch die zahlreichen Rheinarme und ihre jahrhunderte- langen Überschwemmungen geprägt wurde. 1297 wird erstmals urkundlich neben der Landschaftsbezeichnung ein Siedlungsgebiet mit "In der Flunen" ausgewiesen. Daraus entwickelte sich über die Jahrhunderte der heutige Name "Vluyn". Die erste urkundliche Erwähnung von Neukirchen stammt bereits aus dem Jahr 1230. Der Eintrag erfolgte anlässlich des Baus einer neuen Kirche in den Flunen, die dem Hl. Quirinus geweiht war. Die Neue Kirche gilt als der Ursprung des Namens Neukirchen.

"Wessen das Land, dessen die Religion"

Eigentlich hatte Graf Eberhard von der Mark in seiner Eigenschaft als Vogt dem Abt des Klosters Werden versprochen, die Besitzung "In der Flunen" nicht an die Edelherren von Moers zu veräußern. Doch nachdem diese nach und nach immer mehr Grundbesitz erwarben, gewannen sie natürlich auch an Einfluss gegenüber den geistlichen Grundbesitzern. In Folge erwarben 1399 die Grafen von Moers das Patronatsrecht über die Kirche in Neukirchen und das heutige Stadtgebiet von Neukirchen-Vluyn ging in deren Herrschaftsgebiet über. In der Reformationszeit galt "Wessen das Land, dessen die Religion". 1580 erklärte Graf Adolf den Heidelberger Katechismus für verbindlich und setzte das reformierte Bekenntnis in der Grafschaft durch. So wurden auch Neukirchen und Vluyn als Teil der Grafschaft Moers zum evangelischen Land erklärt. Es waren turbulente Zeiten, Herrscher und Besatzer kamen und gingen. Von 1586 bis 1597 besetzten spanische Truppen die Grafschaft. Von 1594 bis 1702 standen Neukirchen und Vluyn unter oranischer Herrschaft. Ab 1702 übernahmen die Preußen die Herrschaft und erklärten die Grafschaft zum Fürstentum. Unter oranischer Herrschaft war es Neukirchen und Vluyn weitestgehend gut gegangen, der neuen preußischen Regierung stand man zunächst eher feindlich gegenüber. 1794 kamen dann die Franzosen und besetzten den linken Niederrhein. Auch die Gemeinden des heutigen Stadtgebietes hatten nach 1799 schwere finanzielle Belastungen zum Unterhalt der französischen Armeen hinzunehmen. Mit Napoleons Reformen wie unter anderem der Aufhebung von Adelsprivilegien, der Grundherrschaft, der Einführung der Gewerbefreiheit oder der Verbesserung des Gerichtswesens verbesserte sich auch die Lage der Bevölkerung. Die "Franzosenzeit" am Niederrhein endete 1815 und das heutige Stadtgebiet wurde wieder in die preußische Rheinprovinz eingegliedert.

Hochstraße Ortsteil Neukirchen – 1938
Hochstraße Ortsteil Neukirchen – 1938

Wandel und Aufschwung

Pfarrer Andreas Bräm gründete 1845 mit gleichgesinnten aus Neukirchen und Vluyn den Neukirchener Erziehungsverein. Er beschäftigte sich intensiv mit der Problematik der verwahrlosten Kinder in der aufkommenden Industriegesellschaft. Seine zahlreichen christlich-sozialen Einrichtungen haben bis heute Bestand. Durch Verlagsarbeiten des Erziehungsvereins und besonders durch den Neukirchener Kalender wurde Neukirchen weltbekannt. Pfarrer Ludwig Doll, den ebenfalls die Not verlassener und verwaister Kinder bewegte, gründete hier 1878 ein Waisenhaus und 1882 die Neukirchener Mission mit einer Ausbildungsstätte für Missionare.Etwa zeitgleich mit den Veränderungen in Neukirchen, erlebte auch Vluyn einen Wandel.Hier hatte die Textilindustrie Einzug gehalten und wirtschaftlichen Aufschwung mit sich gebracht. 1801 hatte bereits Jacob Küppers mit dem Aufbau der ersten Flanellweberei und -färberei in Vluyn begonnen und legte damit den Grundstein zur Entwicklung der örtlichen Industrie für Baumwollerzeugnisse. Um 1850 war er größter Arbeitgeber in Vluyn und beschäftigte zeitweise 150 Hausweber. 1842 folgte u.a. Johann Springen mit seiner Inlettweberei, 1854 die Firma Kremers mit eigener Steppdeckenfabrikation. Die Vluyner Fabrikaten schlossen sich zusammen und erichteten 1841 eine eigene Poststation inklusive einer Postkutsche, die einmal täglich zwischen Moers und Vluyn verkehrte. Es folgte eine Telegrafenbetriebsstelle und ab 1907 erhielten die ersten Vluyner Bürger die ersten eigenen Fernsprechanschlüsse.

Schwarzes Gold

Als sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts herausstellte, dass sich im Boden unter den beiden Gemeinden Neukirchen und Vluyn ein großes Steinkohlevorkommen verbarg, eröffnete sich ein neuer Industriezweig. Dieser sollte vielen Menschen Arbeit, Lohn und Brot bringen. Die Niederrheinische Bergwerksgesellschaft wurde aus der Taufe gehoben und 1912/13 die Doppelschachtanlage des Bergwerks Niederberg auf dem Gebiet der Gemeinde Neukirchen errichtet. Mit der Aufnahme der Steinkohleförderung 1917 stieg auch die Bevölkerungzahl, wodurch sich das städtebauliche Profil beider Gemeinden allmählich veränderte.

Bergwerk Niederberg – 1950er Jahre
Bergwerk Niederberg – 1950er Jahre

Mit der Kohlegewinnung gab es plötzlich viel zu tun und so wurden zusätzlich Bergleute aus dem Ruhrgebiet, Schlesien und Ostpreußen angeworben. Für die neuen Belegschaftsmitglieder katholischen Glaubens, die in Neukirchen und Vluyn ein rein evangelisches Gebiet vorfanden, baute die Zeche 1919 kurzerhand eine Scheune des ehemaligen Dickschenhofs zum Gotteshaus um. Die katholische Notkirche St. Quirin wurde 1958 durch den Neubau der St.-Quirinus-Kirche in der Ernst-Moritz-Arndt-Straße abgelöst. Aufgrund zahlreicher inhaltlicher Überschneidungen in den Verwaltungen beschlossen die Gemeinderäte, die beiden Gemeinden Neukirchen und Vluyn als eine neue Landgemeinde zusammenzulegen. Das war im Jahr 1928. Bis zur Stadtwerdung sollte es noch 53 Jahre dauern.
Im Laufe der Zeit wuchs die Landgemeinde Neukirchen-Vluyn weiter an, die Bevölkerungszahlen stiegen stetig, aber auch Gewerbetreibende, Firmen und Unternehmen siedelten sich an. Für Klein- und Mittelständische Betriebe entstanden die Gewerbegebiete Vluyn Süd und Neukirchen-Nord. Neukirchen-Vluyn wurde zu einem interessanten Mittelzentrum. 1981 erhielt Neukirchen-Vluyn die Stadtrechte.

Die deutschlandweite Reduzierung der Kohleförderung in den 1990er Jahren ging auch an Neukirchen-Vluyn nicht spurlos vorbei. Infolge kam es dann 2001 auch zur Schließung der Zeche Niederberg und zum Abriss des Großteils der oberirdischen Zechengebäude.Nachdem das ehemalige Bergwerksgelände fast zehn Jahre brach lag, herrscht hier nun wieder reges Treiben. Mit der Idee, eine weitere Verbindung zwischen den Stadtteilen Neukirchen und Vluyn zu schaffen, wurde die fast 100 Hektar große Fläche des ehemaligen Bergwerkgeländes Niederberg einer neuen Nutzung zugeführt. Neben umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen und Begrünung des Geländes, entsteht heute auf einem großen Teil der Fläche ein neues Wohngebiet. Das ehemalige Zentrum des Bergwerks und seine angrenzenden Flächen sind für die Ansiedlung von Einzelhandel, Gewerbe-, Büro- und Wohneinheiten sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen und Gastronomie  vorgesehen. Noch bestehende oberirdische Zechengebäude sowie der Förderturm wurden als Denkmäler zur Erinnerung an die Vergangenheit erhalten und sollen zum Teil neu genutzt werden.

Viele Jahre war das Bergwerk Niederberg der Deutschen Steinkohle AG der Hauptarbeitgeber in der Stadt. Aber Unternehmen wie die Gebr. TROX GmbH, ein weltweit agierendes Unternehmen im Bereich der Lüftungs- und Klimatechnik oder die Paradies GmbH, ein führendes Unternehmen für Betten, Kissen, Daunendecken und Matratzen, bieten auch heute noch vielen Menschen in der Region Arbeitsplätze. Mit seinen Arbeitsfeldern Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe, seinen Fachschulen für Sozialpädagogik und Diakonenausbildung, seinem Verlag, der Buchhandlung und als Herausgeber des Neukirchener Kalenders gehört auch der Neukirchener Erziehungsverein zu den großen Arbeitgebern in der Stadt. Die zentrale und dennoch ländliche Lage mit hervorragender Anbindung an die umliegenden Metropolen, die Infrastruktur, das schulische Bildungsangebot sowie die generationsübergreifenden Weiterbildungsmöglichkeiten, die große Auswahl an Vereinen und das umfangreiche Freizeit- und Kulturangebot bewegen nach wie vor viele Familien dazu, nach Neukirchen-Vluyn zu ziehen.

Kontextspalte

Das Stadtwappen

Bereits vor Stadtwerdung wurde der damaligen Landgemeinde Neukirchen-Vluyn mit Urkunde des Innenministers von Nordrhein-Westfalen vom 23. November 1961 das Recht zur Führung eines Wappens und eines Siegels verliehen. Darüber hinaus wurde der Gemeinde mit Urkunde des Innenministers vom 9. Mai 1962 das Recht zur Führung eines Banners verliehen.

Das Stadtwappen von Neukirchen-Vluyn

Blasonierung1: „In Schwarz drei goldene (gelbe) schräglinke Wellenbalken.“ Die Wellen stehen für drei alte Rheinarme. Eine Reminiszenz an das Landschaftsgebiet „In den Flunen“ auf dem Neukirchen-Vluyn entstanden ist. Die Rheimarme sind heute noch als „Kuhlen“ sichtbar.  Die Farben des Wappens sind die der Grafschaft Moers, zu der Neukirchen-Vluyn früher gehörte.


1) Blasonierung ist in der Heraldik die fachsprachliche Beschreibung
eines Wappens.